Spreewaldheide.de

Die private Internetseite für die Dörfer Butzen, Laasow, Sacrow & Waldow.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Spreewaldheide Archiv Das Jahr 1916

Das Jahr 1916

Schulchronik Laasow

Im Januar 1916 entschloß ich mich wegen der ungünstigen Wohnungsverhältnisse und beabsichtigter Heirat zum Stellenwechsel. Auf meine Bewerbung ernannte mich die Kgl. Reg. zum 1. Lehrer, Kantor und Organisten in Fürstlich-Drehna N/L, wohin ich zum 1.4. 16 übersiedle. Der Laasower Schule und Gemeinde wünsche ich beim Scheiden Gottes reichen Segen.

L. März 1916

Karl Stierle

 

Durch Verfügung der Kgl. Reg. vom 12. April 1916 wurde ich vom 15. April ab mit der Verwaltung dieser Stelle beauftragt, nachdem ich am 31. März d. Jhr. in Cöpenick meine Lehrerprüfung bestanden hatte. In der Zeit vom 1. - 15.. April vertrat Kollege Braunsdorf – Sakrow die Schule. Durch die Kgl. Reg. war letzterer schon nach Laasow versetzt worden. Aber auf persönliche Vorstellung einiger Schulvorstandsmitglieder aus Sakrow behielt die Gemeinde ihren Lehrer. Die Osterferien währten vom 15. - 30. April, so daß ich meine Stelle am 1. Mai antrat. Anläßlich der Einnahme von Kut el Amara war dieser Tag schulfrei. Am 3. Mai erfolgte meine Vereidigung durch Herrn Ortsschulinspektor Pfarrer Voigt.

Die Schulkinderzahl betrug am 1. Mai 50, davon 20 Knaben und 30 Mädchen. Neu aufgenommen wurden Alfred Schildt aus Neukölln und in die Oberstufe Agnes Krügel aus Guben. Die Schülerzahl blieb bis Herbst die gleiche. Sie verringerte sich durch den Wegzug von 4 Schulkindern, die Ostern Aufgenommenen kehrten in ihre früheren Schulen zurück, dazu kamen Walter und Carl Mees, die den Eltern nach Alt-Gurkofsbruch, Kreis Friedeberg folgten.

Im September wurde die Gemeinde von einer schweren Krankheit heimgesucht. Es erkrankten an Halsentzündung oder Diphtherie fast sämtliche Kinder. Zum ersten Mal war sie aufgetreten im Juli. Da erlag ihr der 16jährige Paul Bindrich am 19. Juli. Übertragen wurde die Krankheit auf dessen Nichte, der Ostern in Goyatz die Mutter verstorben war. Lucie Plowa erkrankte nicht schwer, da sie aber zu früh aufstand, blieb eine Lähmung der Sehkraft, die sich nach einiger Zeit behoben hat, zurück. Da die Wohnung, in der Paul Bindrich verstarb, nicht desinfiziert wurde, ist allem Anschein die Krankheit durch die Nichte auf andere Kinder übertragen. (Das der Paul B. an Diphtherie gestorben war, suchte man zu verheimlichen?) Am 25. August erkrankte die 12jährige Marie Görsch. Nachdem sich ihr Zustand verschlimmerte, brachte man sie und ihre siebenjährige Schwester Berta, die ebenfalls schwer erkrankte, am 28. August mit einem Wagen (Mees) ins Kreiskrankenhaus Lübben. In der Nacht zum 29. August verstarb Marie Görsch. Am 2. September haben wir sie ohne ihre Mitschülerinnen zum Dorf hinaus gesungen. Inzwischen war auch die ältere Schwester Anna schwer erkrankt. Sie weigerte sich, ins Krankenhaus zu kommen, überwand langsam die Krankheit, nachdem noch eine leichte Lungenentzündung hinzugetreten war. In schneller Folge erkrankten Schulkinder und auch kleinere Kinder mehr oder weniger schwer. So verstarben am 3. und 6. Sep. 2 Kinder des Stammgutsbesitzers Gottlieb Muschak im Alter von 3 und 5 Jahren. Am 6. Sep. gab die Gemeinde den Beiden das letzte Geleit. In der Familie des Stellmachers Zöllner erkrankten mehrere Kinder. Am 18. Sep. fiel der 10jährige Sohn Fritz der Krankheit zum Opfer. War bisher vornehmlich in den Ausbauten die Krankheit aufgetreten, so sollte jetzt auch das innere Dorf heimgesucht werden. Das einzige Töchterchen Anna des Schmiedemeisters Kopsch erkrankte. Nachdem es die Schutzimpfung erhalten hatte, verstarb es am 3. Oktober 1916. Wenige Tage später noch ein Opfer. Der kleine Paul Muschak, der am 7. Oktober starb. So Gott will, war es das letzte Opfer.

In etwa 6 Wochen hatte die Krankheit 6 Opfer gefordert. Wahrlich, in dieser schweren Zeit, eine noch schwerere Prüfung. Die Schule war wegen der Ansteckungsgefahr am 12. September geschlossen worden. Hätte die Schule etwa 8 Tage früher geschlossen werden können, hätte die Krankheit wahrscheinlich nicht solche Ausbreitung gefunden. Vorsichtsmaßregeln waren den Kindern und Eltern durch die Schule und die Gemeindeschwester in Straupitz wiederholt gegeben. Aber teilweise war es zu spät, teilweise wurden sie nicht genügend beachtet. Die beste Hilfe, die der Arzt der Gemeinde geben konnte, blieb ihr versagt, da der Straupitzer Arzt in Cottbus Dienst tat. Einen Segen scheint die Krankheit doch gehabt zu haben, denn man hat wohl gelernt, daß es wirklich eine ansteckende Krankheit war, denn vorher waren viele der Ansicht, „das es nur den trifft, den es treffen soll“.

Ende Oktober war die Krankheit erloschen. Das Schulzimmer und alle Häuser, in denen die Krankheit geherrscht hatte, wurden gründlich desinfiziert. Am 14. November wurde der Unterricht in der Schule wieder aufgenommen, nachdem 9 Wochen das Schulzimmer keine Kinder gesehen hatte.

Im Dezember 1916 erteilte Rumänien das wohlverdiente Schicksal für seinen schmächlichen Verrat. Am 27. August, abends 10 Uhr hatte es unseren Bundesgenossen den Krieg erklärt. Nach anfänglichen rumänischen Erfolgen in Siebenbürgen heftete sich das Kriegsglück an Falkenhayns Fahnen. Falkenhayn und Mackensen drangen in die Walachei ein. Die siegreichen Kämpfe führten zur Einnahme von Bukarest am 6. Dezember 1916. Am 12. Dezember bot der Reichskanzler im Auftrag des Kaisers und der verbündeten Regierungen den Frieden an. Aber Hohn und Spott war die Antwort der Feinde.

So ging das Jahr zu Ende, ohne den Menschen eine Hoffnung auf baldigen Frieden zu geben. Das Wetter war im Dezember vorwiegend regnerisch, zwischen Weihnachten und Neujahr gewaltige Stürme.


 

Am 20. März von 8 – 11 ½ hielt Herr Pfarrer Voigt die Osterprüfung ab. Ein Erfolg meinerseits war nicht zu nennen; denn in einem viertel Jahr konnte ich nicht wieder aufbauen, was der Krieg niedergerissen hat.

Am 31. März kann ich noch 5 Konfirmanden entlassen: 3 Knaben und 2 Mädchen. Eine Sammlung der Schulkinder zur Zeichnung auf die 4. Kriegsanleihe ergab 817,- M, die auf ein Kriegssparbuch der Schule eingetragen sind. Liste hatte ich anliegend bei. Das Kriegssparbuch der Schule liegt in Händen der Nebenstelle der ständischen Sparkasse der N/L zu Straupitz.

 

1916

In der ersten Hälfte des Aprils wurde der Unterricht durch den Lehrer Braunsdorf aus Sacrow gegeben. Am 3. April fand durch den Herrn Kgl. Kreisschulinspektor eine Revision statt, bei der er bei den Kindern in fast allen Fächern große Lücken vorfand.

Die Osterferien dauerten vom 15.-30. April. Am 29. Mai revidierte Herr Ortsschulinspektor Pfarrer Voigt. Die Pfingstferien 9.-15. Juni 1916

(Die Hälfte der Seite ist abgerissen, wahrscheinlich wurde schon das Jahr 1917 beschrieben!) Ko

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 20. Februar 2011 um 19:31 Uhr