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Das Jahr 1910

Schulchronik Laasow

26.I. 1910. Es brennt weiter!

Am 25.I. 10 abends 9 Uhr, ertönte wieder das Feuerhorn! Ein lieber, bekannter Klang und niemand regt sich deshalb auf. Lachend und plaudernd liefen die Leute zur Brandstelle, und verfolgten, Witze reißend den Fortschritt des Feuers. Ich sah nicht einen Mann löschen! Ruhig standen die Männer um ihre Spritze und der Wasserwagen führt wohl seinen Namen daher, das man kein Wasser holt. So brannte denn das Wohnhaus und die Scheune des Anbauers Karl Pintsch gemächlich bis auf den Grund nieder, was es ja jedenfalls auch sollte! Dort, wo es nicht so recht wollte, wurde dem Feuer bereitwilligst geholfen, indem ihm durch Einschlagen des Fensterkreuzes u. d. gl. neue Nahrung zugeführt wurde. Da die Mauern noch standen, und nicht stürzen wollten, wurde ihnen durch Anrammen solange gut zugeredet, bis sie ein Einsehen hatten und endlich stürzten! Alles dies sahen meine eignen Augen! Ich begreife nur die Versicherung nicht, sie zahlen immer und nehmen die Leute gern wieder auf!

13.3. 10. Nachdem ich zwei und ein halbes Jahr, vom 1. Oktober 07 bis 31. März 10 hier selbst angestellt war, siedele ich am 19. März am letzten Schultage vor Ostern, nach Zwippendorf bei Gassen, Kreis Sorau, um. Mein Entschluß, mich zu verändern, liegt hauptsächlich in den unzulänglichen Wohnungsverhältnissen begründet. Dann ist die Wohnung aber feucht und ungesund. Ich befürchte für mich und meine Familie Krankheit bei langer Anwesenheit im Schulhause.

Auch haben die vielen Brände, sechs in der Zeit meines Hierseins, und andere, wie ich hörte, stehen bevor, mich im Weggehen bestärkt. Dann wird mir auch hier von den Einwohnern das siebente Gebot zu sehr übertreten. Immer wieder hört man von erwischten Dieben, und was mag unentdeckt bleiben! Gott gebe, das es in Laasow anders werde. Mein Nachfolger scheint noch nicht bestimmt zu sein. Ich wünsche ihm, der Schule und dem Dorfe für die Zukunft das Beste! Es sind ja auch gute Elemente in Schule und Gemeinde vorhanden, die mir das Scheiden erschweren!

Felix Bussewitz

 

April 1910. Laut Verfügung der Kgl. Regierung zu Frankfurt a./O. vom 11.3. 10 wurde mir die Verwaltung der Schulstelle zu Laasow vom 1.4. 10 ab übertragen, nachdem ich vorher als 6. Lehrer in Katzhütte (oberes Schwarzertal) i. Thür. tätig war. Am 1. April 1910 erfolgte durch den Herrn Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Voigt zu Straupitz meine Amtseinführung im Beisein des Schulvorstandes.

Rudolf Jannack

 

Schadenfeuer bei dem Häusler Görsch:

Am Mittwoch, den 27. April 1910 vernahm ich plötzlich aus dem Dorfe ein Schreien und Hilferufen. Als ich das Fenster öffnete, sah ich aus der Scheune des Häuslers Görsch die lichte Flammen aufschlagen. Ich begab mich zur Brandstätte, es mochte ¼ 10 Uhr abends gewesen sein, da bemerkte ich wie einige Ortsbewohner gaffend das brennende Gebäude umstanden, doch keiner legte Hand an zur Löschung. Nachdem das Feuer circa ¾ Stunden gewütet hatte, und die Scheune ziemlich ein Raub der Flammen geworden war, erschollen erst die schaurigen Töne des Feuerhornes. In aller Ruhe kam um 10 Uhr dann auch die Spritze angefahren. Nachdem geraume Zeit mit den Vorbereitungen verflossen war, ertönte das Kommando: Los, doch niemand reagierte darauf. Endlich, nachdem der Gemeindevorsteher Herr Knopf mit dem Anzeigen drohte, setzten einige Furchtsame die alte Spritze in Bewegung. Ruckweise warf sie ihren Strahl in die Trümmer der Scheune, obwohl hier ein Löschen unmöglich war. Indessen sah man auch aus der Oberstube des Wohnhauses dicke Rauchwolken hervorquellen. Anstatt nun dieses zu halten, spritze man immer auf die 4 Mauern der Scheune. Niemand legte Hand an das Wohnhaus, welches aber schon geräumt war, zu halten. Immer höher schlugen die Flammen, und immer mehr roch es nach Petroleum. Als das Feuer aber immer noch nicht recht umsichgreifen wollte, half man ihm durch Einstoßen der Giebel. Nach einiger Zeit kamen auch die Spritzen von Butzen, Sakrow, Straupitz und Neu-Zauche. Alle zeigten ihre Hilfsbereitschaft im Nichtstun und Gaffen.

Zu den Abgebrannten gehörte auch ein von einer venevischen Krankheit befallener Mann, der zum zweiten Male sein Lager, an das er gebunden war, verlassen mußte. Er trug seine Habseligkeiten im Sacke auf dem Rücken den Trost im Herzen, er ist ja versichert. Nachdem dieses Gebäude ein Raub der Flammen geworden war, sah man zwei Häuser weiter, die in der entgegengesetzten Windrichtung lagen, huschende Gestalten mit Fiebereifer das Haus räumen. Bald vernahm man auch Stimmen, welche besagten, daß dies Haus nun auf dem Programm steht. Doch da das Gerücht schon zu laut geworden war, so unterblieb ein zweiter Feuerlärm.

Trotzdem bei diesem Feuer eine offenkundige bezweckte Brandstiftung vorliegt, nach welcher Zeit und Stunde schon Tage vorher bestimmt war, so erblickte man die Hausbewohner jammernd und händeringend die Brandstätte durcheilen, hier und da einige Ortsbewohner ansprechend in der Hoffnung, Trost zu finden für das Unglück, das sie betroffen hat.

Jannack

 

Schadenfeuer bei Witwe Bochan.

In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag d. 21. August 1910 brannte das Wohnhaus der Witwe Bochan nieder. Gerettet konnten nur einige Säcke Korn und eine alte Kommode werden. Es liegt Brandstiftung aus Rache und Gemeinheit zu Grunde.

J.


Am 6. Januar fiel wie alljährlich der Unterricht aus. Am 19.I. fiel der Unterricht aus, da die Schule durch den Herrn Kreisschulinspektor Pfarrer Gruber revidiert wurde. Anwesend waren Herrn Pastor Voigt, Schulvorsteher Förster Grunert und Bochan. Geprüft wurde von ¾ 4 Uhr bis ¼ 6 Uhr nachmittags. Das Ergebnis war recht zufriedenstellend. Geprüft wurden alle Fächer.

Am 27.I. wurde Kaisers Geburtstag gefeiert. Am 19. März werden 10 Konfirmanden, 7 Knaben und 3 Mädchen entlassen. Die Osterferien dauern vom 20.Ⅲ. - 31.Ⅲ.10. Die Schülerzahl zu Ostern 1910 betrug 53 und zwar 26 Knaben und 27 Mädchen. Neu eingeführt wurden davon 4, 1 Knabe und 3 Mädchen. Die Pfingstferien dauerten vom 14. bis 20. Mai. Am 5. Juni 1910 hatten wir den heißesten Junitag seit 1848, nämlich 44° in der Sonne und 32° im Schatten. Am 9., 10. und 11. Juni mußte infolge der großen Wärme schon um 11 Uhr geschlossen werden. Die Sommerferien dauerten vom 10. Juli bis zum 31. Juli. Die Kreislehrerkonferenz in Lübben fand am 14. September statt. Die Herbstferien begannen am 25. September und endeten am 16. Oktober. AM 4. September feierte die Schule in Gemeinschaft mit dem Kriegervereine zu Ehre der 40-jährigen Wiederkehr des Sedantages ein Kinderfest. Für Belustigungen waren 64 M eingekommen. Am 1. und 2. Dezember war Volks- und Viehzählung.

15.12. 1910 Gruber

 

Die diesjährige Schulrevision durch den Herrn Kreisschulinspektor fand am 15. Dezember statt. Sie dauerte von ½ 2 Uhr bis ¾ 4 Uhr nachmittags. Das Ergebnis war ein äußerst zufriedenstellendes. Besonders lobend sprach sich der Herr Kreisschulinspektor über Rechnen und Gesang aus.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 20. Februar 2011 um 18:09 Uhr