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Das Jahr 1903

Schulchronik Laasow

In diesem Jahr erlitt die hiesige Schule einen doppelten schweren Verlust. Zuerst wurde uns am 24. August unser lieber allverehrter Kreisschulinspektor Herr Pastor Wex in Neuzauche unerwartet durch den Tod entrissen. Während seiner amtlichen Tätigkeit als Kreisschulinspektor hat er es verstanden, sich die Liebe und Hochachtung der Lehrer seines Bezirks zu erwerben. Er war stets ein väterlicher und aufrichtiger Freund und Berater seiner Lehrer. Möge ihn der himmlische Vater reichlich dafür segnen! Bei Beginn des Winterhalbjahres wurde das Amt des Kreisschulinspektors dem Herrn Pastor Gruber in Lübben von der Königl. Regierung zu Frankfurt a./O. verliehen.

Denn anderen schweren Verlust erlitt die hiesige Schule durch den Tod unsers lieben und teuren Herrn Patrons, des Standesherrn und Grafen Ernst von Houwald auf Schloß Straupitz. Der Herr Graf war schon vor ungefähr zwei Jahren schwer erkrankt und ging, um von seinem Leiden Heilung zu erlangen, nach der Nerven-Heilanstalt zu Lindendorf bei Coswig (Dresden). Hier starb er, fern von seiner geliebten Heimat, am 24. August, also an demselben Tage wie sein treuer Freund Herr Pastor Wex. Die Leiche des verstorbenen Herrn Grafen langte am Mittwoch, den 26. August in Straupitz an. In feierlichem Zuge wurde dann sein Sarg von den Vereinsmitgliedern zu Straupitz und den gräflichen Beamten, vom Bahnhof nach dem Schlosse gebracht. Die Überführung der Leiche des Herrn Grafen vom Schlosse nach der Kirche erfolgte am 27. abends, in feierlicher Weise. Am folgenden Tage wurde dann sein Leichnam auf dem Gottesacker zu Straupitz in dem herrschaftlichen Erbbegräbnis unter sehr zahlreicher Beteiligung seiner Freunde, der Geistlichen und Lehrer, der gräflichen Beamten und Vereine feierlich zur letzten Ruhe bestattet.

Der Verstorbene war ein großer Freund der Kirchen und Schulen seiner Parochie, denen er besonders auch viele und große Wohltaten erwiesen hat. Aber auch viele Mitglieder der Parochie, wie auch die Lehrer derselben, werden gewiß noch oft in dankbarer Weise des Verstorbenen Herrn Grafen gedenken.

Das Gedächtnis des Gerechten bleibt im Segen!

Sein Nachfolger als Patron der Kirchen und Schulen und Standesherr der Herrschaft Straupitz, wurde nun sein einziger Sohn, der Graf Christoph – Heinrich von Houwald auf Schloß Straupitz.


Am 26. Jan. verzog ein Mädchen nach Lübben. Die Osterprüfung war in diesem Jahr am 26. Februar. An diesem Tage begann der Unterricht wie gewöhnlich um 8 Uhr; Nachdem der Lokalschulinspektor, Herr Pastor Voigt aus Straupitz unangemeldet um 9 Uhr erschienen war, wurde alsbald mit der Prüfung begonnen. Alle 3 Stufen wurden darum diesmal gemeinsam geprüft.

 

Die Ober- und Mittelstufe wurde zuerst in Deutsch- Musterstück und Wörterklassen und im Diktat geprüft. Dann kam die Prüfung der Unterstufe im Lesen und in der Religion. Nun wurden alle 3 Stufen im Rechnen und im Gesang geprüft. Um 11 Uhr wurde die Unterstufe entlassen. Die Ober- und Mittelstufe wurde jetzt noch in Geographie: - Europa – (Länder, Flüsse und Inseln); dann in Geschichte: Karl der Große – Heinrich I. und zuletzt in Naturlehre: Knallbüchse, geprüft. Um 12 Uhr war die Prüfung beendet und wurden nun beide Stufen entlassen.

Die Entlassung der 7 Konfirmanden: 3 Knaben und 4 Mädchen geschah am 4. April. Die Osterferien dauerten vom 7. bis 16. April. Aufgenommen wurden 8 Kinder; darunter 6 Knaben und 2 Mädchen am 6. April.

Am 29. April wurde die Ober- und Mittelstufe vom Herrn Kreisschulinspektor Pastor Wex aus Neu Zauche revidiert. Die Revision begann um 7½ Uhr vormittags. Es wurden folgende Unterrichts – Gegenstände geprüft:

Religion: Gesang – Choräle – Rechnen: Deutsch: Musterstück. Geschichte Frdr. Wilh. Ⅲ und Ⅳ. Geographie: Deutschland und Globus. Naturgeschichte: Maikäfer. Zum Schluß wurde noch im Lesebuch gelesen. Um 10 Uhr wurde die Revision mit Gebet und Gesang beschlossen.

Am 16. April wurden 2 Mädchen von Berlin aufgenommen. (Langfeld) Das Sommersemester begann am 1. Mai. Die Pfingstferien dauerten vom 29. Mai bis zum 5. Juni. Wegen Krankheit des Lehrers wurden die Sommerferien in diesem Jahr von Herrn Kreisschulinspektor um 14 Tage verlängert. Sie dauerten vom 29.Juni bis 25. Juli. Die Herbstferien begannen am 21. September und endeten am 13. October. Die Kreis- Lehrerkonferenz zu Lübben war am 28. October und wegen Anwesenheit des Lehrers daselbst kein Unterricht. Das Winterhalbjahr begann am 2. November. Am 11. Dezember verzog ein Knabe nach Waldow. Den 14. Dezember wurde ein Knabe von Vetschau aufgenommen. Die Weihnachtsferien begannen am 24. Dec. und endeten am 4. Januar.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 18. Februar 2011 um 17:12 Uhr