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Das Jahr 1897

Schulchronik Laasow

Im Sommer d. J. zeichnete sich durch viel Regen und große Nässe aus. Es geschah selten, daß die Sonne sich etliche Tage nacheinander zeigte und hell schien. Der viele Regen hinderte darum auch das Wachsen und Gedeihen der Feldfrüchte, besonders hatten Roggen und Kartoffeln viel durch die Nässe gelitten. Die Roggenernte begann schon um den 10. Juli hier selbst und dauerte volle 4 Wochen bis in den August, ehe der Roggen des vielen Regen wegens eingebracht werden konnte. Der meiste Roggen war deshalb auch ausgewachsen und das Stroh schwarz und verdorben. Oftmals musste das Umsetzen der Mandeln von den Leuten auch am Sonntag ausgeführt werden.

Im Herbste zeigte sich auch die Folge der nassen Witterung bei den Kartoffeln. Der Ertrag der Kartoffeln war gegen andere Jahre gering, denn die meisten Leute ernteten in diesem Jahre nicht die Hälfte an Kartoffeln wie sonst; auch waren die meisten Kartoffeln besonders von den nassen niedrigen Boden für die Menschen ungenießbar. Zudem kam auch noch im Spreewald im Sommer eine große Überschwemmung, durch welche die Heuernte sehr geschädigt wurde. Grummet gab es nachher reichlich, konnte aber von vielen Besitzern nicht gemäht werden. Am 23. September d. J. fand auch die Vermählung der einzigen Tochter des Patrons des Standesherrn Herrn Grafen von Houwald mit dem Königlichen Luitenant Freiherr von Houwald zu Spandau, statt. Die Hochzeit wurde auf dem gräflichen Schlosse zu Straupitz gefeiert und war nicht bloß für die hohe gräfliche Familie ein fröhliches Fest, sondern ganz Straupitz und die meisten Bewohner der Parochie nahmen innigen und herzlichen Anteil daran, jubelten mit und beteten zu Gott um reichen Segen für das neu vermählte hohe Ehepaar.

Doch gar bald wurde diese Freude durch ein trauriges Ereignis in der gräflichen Familie getrübt. Am 26. Oktober wurde die verwitwete Gräfin Florentine von Houwald, - Mutter des jetzigen Grafen von Houwald – von dem Herrn über Leben und Tod aus dieser Welt abberufen. Sie starb in ihrer Villa zu Straupitz. Am  [Anm.: Hier wurde kein Datum eingetragen.] wurde ihr Leichnam, welcher am Abend zuvor nach der Kirche des Ortes übergeführt worden war, wo dann die Leichenfeier gehalten wurde, auf dem Kirchhof zu Straupitz im gräflichen Erbbegräbnis neben ihren lieben Ehegatten, welcher ihr 13 Jahre zuvor gestorben war, zur Ruhe bestattet.

Um die verstorbene hohe Frau trauerte auch die ganze Bevölkerung der Grafschaft, und besonders die Armen, denen so sehr viel Liebe und Gutes von der Verstorbenen in ihrem Leben erwiesen worden war. Groß ist auch die Zahl der armen Kinder, welche alljährlich zu ihrer Konfirmation mit Kleidern von der verstorbenen Frau Gräfin beschenkt wurden. Als eine rechte Maria fand sie nur ihre Freude daran, den Herrn zu dienen und war innig erfreut, wenn sie wohltuen konnte im Hause, in den Gemeinden, in der Kirche und in der Schule.

„Der Herr schenke ihr darum eine selige Auferstehung!“

Nach dem großen Leid, welches der gräflichen Familie durch den Todesfall bereitet worden war, sollte derselbe auch eine große Freude zuteil werden. Am 21. November feierte nämlich der Herr Graf von Houwald mit seiner hohen Gemahlin das Fest der Silberhochzeit, jedoch nicht in Straupitz, sondern in Spandau bei dem hohen neuvermählten Ehepaar. Schon am Festtage bewiesen die Bekannten, die gräflichen Beamten, Lehrer und Vereine ihre innige Teilnahme durch zahlreiche Glückwünsche, welche dem hohen Jubelpaare übersandt wurde.

Als ein Zeichen der Verehrung und Liebe hatten auch die Mitglieder der Gemeinden eine sehr prächtige Adresse beschafft, welche dem hohen Jubelpaar nach dessen Rückkehr am 5. Dezember auf dem Schlosse zu Straupitz durch eine Deputation der gräflichen Beamten, Pächter, Lehrer, sämtlicher Vereine und den Gemeindevorstehern dem hohen Jubelpaare überreicht wurde, und wobei der Geistliche des Ortes, Herr Pastor Voigt zu Straupitz, eine recht innige aus dem Herzen kommende und zu Herzen gehende feierliche Ansprache hielt, welche auf alle Anwesende einen feierlichen, tiefen Eindruck machte. Nach der Beendigung der Feier wurden sämtliche Mitglieder der Deputation, wozu auch ich als Vertreter der Lehrer aus der Parochie gehörte, von dem Herrn Grafen zu Tische geladen und mußten wir alle an diesem Tage seine Gäste sein. Diese hohe Ehre, wie auch der liebevolle Verkehr der hohen Herrschaft und ihrer Anverwandten mit den Untergebenen machte letzteren eine große Freude, und wird gewiß dieser Tag jeden der Mitglieder unvergeßlich bleiben!

1898, 1899, 1900 vacant!

(leer, nicht vorhanden!).

 

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 13. Februar 2011 um 18:19 Uhr