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Das Jahr 1896

Schulchronik Laasow

Im Monat Januar dieses Jahres wurden die Bewohner unseres Dörfchens von einer freudigen Nachricht überrascht. Es war nämlich in Aussicht genommen, mehrere Kleinbahnstrecken durch die Kreise „Lübben und Cottbus“ zu erbauen. Eine dieser Bahnstrecken, von „Straupitz nach Goyatz“ sollte auch unser, sonst von jeglicher Verkehrsstraße abgelegenes Dorf Laasow berühren. Darüber herrschte bei allen Bewohnern des Dorfes große Freude. Schon im Februar wurde die Bahnstrecke bei Laasow vermessen.

Am Ende dieses Jahres wurde der Herr Pastor Penschke von dem Königlichen Konsistorium in ein anderes Pfarramt versetzt. Seine Abschiedspredigt hielt derselbe am Bußtage, den 18. November, und am folgenden Tage verzog er nach seinem neuen Wohnort „Wallmow“ bei Prenzlau, um dort das Pfarramt zu übernehmen. Herr Pastor Penschke war, wie seine Vorgänger, ebenfalls um das Wohl und den Fortschritt der Schule sehr besorgt und dem Lehrer ein treuer Berater. Sein Amtsnachfolger wurde der Herr Pastor Voigt, bisher Diakonus zu Luckenwalde. Er übernahm das hiesige Pfarramt am Tage seines Anzuges am 17. Dezember und wurde dann auch von der Königlichen Regierung zum Lokalschulinspektor der Schulen in der Parochie Straupitz ernannt.

Im vergangenen Jahre erschien eine Verfügung der Königlichen Regierung zu Frankfurt a./O., nach welcher der alleinstehende Lehrer an einer Volksschule 90 Mark als Entschädigung für das Brennmaterial für seinen eigenen Bedarf zu fördern hat. In diesem Jahre (1896) erhielt ich dann auf meinen Antrag außer den 13 rm Stubben noch 53 Mark Holzgeld für meinen Bedarf gezahlt. Die freie Anfuhr des Holzes wurde mit 17,50 Mark der Gemeinde berechnet.


Den 18. Januar wurde nur eine Schulfeier zur Erinnerung an die Herstellung des deutschen Reiches in der Schule gehalten.

Am 27. März d. J. wurde von dem Lokalschulinspektor Herrn Pastor Penschke zu Straupitz die übliche Osterprüfung gehalten. Zu derselben war nun der Schulvorsteher Meehs erschienen. Die Prüfung begann morgens um 9 Uhr. Dieselbe wurde mit Gesang und Gebet eröffnet. Zuerst wurde die Ober- und Mittelstufe in Religion geprüft, und zwar die biblische Geschichte von „Sauls Ungehorsam“ mit den Kindern besprochen. Aus dem Katechismus war „Das Werk des Erlösers“ als Aufgabe gestellt. Dann wurde in „Deutsch“ geprüft. Das Lesestück Seite: 192 No: 63 wurde von den Kindern gelesen und hernach mit ihnen besprochen und dann die Wortklassen geprüft. Im „Rechnen“ wurde besonders die 1. Abteilung in Prozent- und Zinsrechnung geprüft; die 2. und 3. Abteilung lösten Aufgaben aus dem Rechenbuch. In der „Geographie“ wurde die Provinz „Schlesien“ besprochen. Aus der „Geschichte“ „Luthers Leben bis zum Jahr 1517“. Hernach wurden die Choräle: Ach bleib mit deiner. Herr Jesu Christ. eins ist not. und, O Lamm Gottes. gesungen. „Naturbeschreibung“: Die Hühner. Nachdem nun die Prüfung um 10¾ Uhr mit Gebet und Gesang beendet worden war, mußten die Knaben noch Turnen und die Mädchen ihre Handarbeiten vorzeigen.

Die Prüfung der Unterstufe begann um 11 Uhr. Es wurde zuerst die Geschichte „Von Jakob und Esau“ besprochen, dann einige Sprüche, Gebote, Liedverse und Gebete von den Kindern aufgesagt. Hernach wurden beide Abteilungen im Lesen und Kopfrechnen geprüft. Zum Schluß wurden noch 2 Choräle und 1 Volkslied von den Kindern gesungen und dann um 11½ Uhr die Prüfung mit Gebet beendet.

Die Entlassung der Konfirmanden, 2 Knaben und 2 Mädchen erfolgte am 28. März. Es verbleiben in der Klasse: 46 Kinder, darunter sind 19 Knaben und 27 Mädchen.

 

Religion: Besprechung der biblischen Geschichte „Sauls Bekehrung“, dann wurden einige Gleichnisse von den Kindern erzählt und auch Verse von Passionsliedern gebetet und ein Vers gesungen. Deutsch: Das Lesestück Seite 200 im Lesebuch wurde von den Kindern gelesen und hernach die Wortklassen geprüft, auch einige Gedichte von den Kindern aufgesagt. Geographie: Hier wurden Fragen aus der Heimatkunde gestellt. Naturbeschreibung: „Der Hering“ Rechnen: Alle drei Abteilungen wurden im Kopfrechnen geprüft. Gesang: Volkslieder wurden mehrere gesungen. Um 10½ Uhr wurde mit Gebet und Gesang die Prüfung beendet.

Es wurde nun die Unterstufe geprüft. Die Prüfung dauerte von 10¾ bis 11½ Uhr. Religion: „Hochzeit zu Kana“ erzählt, dann folgte das Aufsagen der Gebote und einiger Gebete. Lesen: Beide Abteilungen lasen die für diesen Tag aufgegebenen Abschnitte. Rechnen: Gerechnet wurde mit den Kindern im Kopf und an der Rechenmaschine. Hierauf wurde mit Gesang und Gebt die Prüfung beendet. Am folgenden Tag, den 16. März, war kein Unterricht.

Am 22. März wurde der hundertjährige Geburtstag des hochseligen Kaisers Wilhelm I. in der Schule festlich gefeiert, und auch der 23. März war auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers ein schulfreier Tag.1

Die Entlassung der Konfirmanden, 2 Knaben und 2 Mädchen erfolgte am 10. April. Es verblieben nun in der Schule 53 Schüler, 23 Knaben und 30 Mädchen. Aufgenommen wurden Ostern 7 Kinder, 2 Knaben und 5 Mädchen. Die Zahl der Schüler beträgt demnach 56; und zwar 25 Knaben und 31 Mädchen. Die Osterferien dauerten vom 12. bis zum 22. April. Das Sommerhalbjahr begann am 1. Mai. Wegen eines Sterbefalles in der Familie des Lehrers mußte derselbe verreisen und war am 6. und 7. Mai kein Unterricht in der Schule. Die Pfingstferien dauerten vom 5. bis zum 11. Juni.

Am 21. Juni war die diesjährige Revision der Schule durch den Königlichen Kreisschul - Inspektor Herrn Pastor Wex aus Neu Zauche. Anwesend war dabei der Schulvorsteher Meehs. Die Revision der Ober- und Mittelstufe begann um 7 Uhr vormittags. In der Religion wurde die Geschichte: „Abrahams Berufung“ als Aufgabe gestellt. Zuerst wurde die Geschichte von den Kindern erzählt und dann besprochen. Nachher wurde auch noch die Einteilung der Bibel geprüft und dann auch Sprüche und Liedverse von den Kindern aufgesagt und der Choral: „Wir glauben all“ gesungen. Im Rechnen wurden die 4 Grundrechnungsarten im Kopfrechnen geprüft, ebenso Decimalbrüche, gem. Brüche und Regeldetri. Lesen mußten die Schüler außer der Reihe und dann wurden Fragen nach den Wortarten gestellt. Diktat: „Also hat Gott die Welt geliebet“. Aus der Geschichte wurde Luthers Leben und die ersten Hohenzollern geprüft. Geographie: „Deutschland“. Zum Schluß wurden noch einige Choräle und Volkslieder gesungen.

Neu aufgenommen wurden Ostern 5 Kinder, 4 Knaben und 1 Mädchen. Die Osterferien dauerten vom 1. bis zum 9. April. Das Sommerhalbjahr begann am 1. Mai. Die Pfingstferien begannen am 22. und dauerten vom 11. bis 28. Juli. Der Unterricht begann also einen Tag später, da am 27. Juli das neu erbaute Schulhaus für den 3. Lehrer zu Straupitz an diesem Tage eingeweiht wurde, und alle Lehrer der Parochie Straupitz zu dieser Feier von den Herrn Patron, Herrn Grafen von Houwald zu Straupitz eingeladen waren. Am 27. August war die diesjährige Kreis-Lehrer-Conferenz zu Lübben und war an diesem Tage kein Unterricht. Die Herbstferien begannen am 21. September und endeten am 15. October. Am 15. October kehrten auch 3 Schüler, 2 Knaben und 1 Mädchen von Neuzauche, wohin dieselben im November 1895 verzogen waren, nach der hiesigen Schule zurück.

Die Revision der Ober- und Mittelstufe durch den Königlichen Kreisschulinspektor Herrn Pastor Wex aus Neuzauche erfolgte in diesem Jahre am 23. November. Anwesen waren bei dieser Revision:

1. der Herr Patron, Standesherr von Houwald auf Schloß Straupitz

2. Gemeindevorsteher Grasme – Laasow

3. Schulvorsteher Meehs – Laasow

Die Revision begann um 8 Uhr morgens mit Gesang und Gebet. Die Aufgabe in Religion war die biblische Geschichte „Vom Blindgebornen“. Die Besprechung derselben wurde vom Lehrer begonnen und dann vom Herrn Revisor fortgesetzt. Nachher wurden noch einige Gebote und Liedverse von den Schülern aufgesagt. Nachdem wurde der Choral „Alle Menschen“ von den Kindern gesungen. Im Rechnen wurden alle Kinder in Kopfrechnen geprüft. Deutsch: Es wurde zuerst das Lesestück Seite 107, No: 126 von den Kindern gelesen und dann die Wörterklassen besprochen. Nun folgte ein Diktat. In der Geschichte wurde „Karl der Große“ geprüft. In der Geographie wurden vom Herrn Revisor Fragen aus der Heimatkunde „Europa und Deutschland“ gestellt. Zum Schluß wurden noch 2 Volkslieder zweistimmig von den Kindern gesungen. Um 10½ Uhr wurde die Revision mit Gebet und Gesang beendet.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 24. December bis zum 4. Januar 1897. Unterrichtsfrei waren noch die Markttage in Straupitz: 18. März, 20. Mai, 7. October u. 9. December.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 13. Februar 2011 um 18:15 Uhr