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Das Jahr 1892

Schulchronik Laasow

Anfang Januar dieses Jahres legte der bisherige Kreisschulinspektor Herr Schulz zu Lübben wegen Kränklichkeit sein Amt als Kreisschulinspektor nieder und wurde von der königlichen Regierung zu Frankfurt a./O. der Herr Pastor Wex aus Neuzauche zum Königlichen Kreisschulinspektor ernannt.


In diesem Jahr wurde die Osterprüfung von den Lokal-Schulinspektor Herrn Pastor Penschke am 29. März abgehalten. Von den Mitgliedern des Schulvorstandes war der Gemeindevorsteher Christian Grasme anwesend.

Die Prüfung der Ober- und Mittelstufe begann um 8.00 Uhr und endete um 10 Uhr. Zuerst wurde der 1. Vers von dem Liede: wollt ihr wissen etc. gesungen und dann die übliche Morgenandacht gehalten. In der Religion wurde zuerst biblische Geschichte, und zwar: „Davids Leben“ geprüft. Die Geschichte „Von Davids Fall und Buße“ wurde von den Kindern (auf Wunsch des Herrn Revisors) erzählt und auch der 51. Psalm von den Kindern gebetet. Aus dem Katechismus kam der 3. Artikel, „Christliche Kirche“ zur Besprechung und wurde von den Herrn Revisor selber behandelt. Die Prüfung im Deutschen erstreckte sich zuerst auf Lesen eines Lesestücks aus dem Lesebuch; nachher wurde ein Dictat von den Kindern auf ihre Tafeln geschrieben und dieselben von dem Herrn Revisor selber nachgesehen. Aus der Geschichte wurde als Aufgabe : „Friedrich der Große“ gestellt; es kam seine Jugend und die beiden ersten „Schlesischen Kriege“ zur Besprechung. Nachher folgte Rechnen mit allen Abteilungen und zwar Kopfrechnen. Zum Schluß wurde noch das Lied „Der Mai ist gekommen“ von den Kindern dreistimmig gesungen. Hierauf wurde mit Gebet und Gesang geschlossen und die Kinder entlassen.

Jetzt wurde von 10-11 Uhr die Unterstufe geprüft. Es wurde mit Gesang und Gebet begonnen. Die Geschichten „Von der Hochzeit zu Kana“ und „Vom Jüngling zu Nain“ wurden von den Kindern erzählt. Dann wurden einige gelernte Gebete und das 4. und 7. Gebot gebetet. Im Lesen wurden alle Abteilungen geprüft, ebenso auch im Rechnen. Nun wurde die Prüfung beendet und die Kinder, nachdem ein Gebet gemeinschaftlich gebetet worden war, entlassen. Noch ist zu bemerken, daß die Unterstufe auch im Gesange geprüft wurde. Es wurden einige geübte Volkslieder und der Choral: „O daß ich 1000 Zungen hätte!“ gesungen.

Wegen Krankheit des Lehrers (Influenza) wurde der Unterricht vom 26. bis 30. Januar ausgesetzt. Nachdem der Unterricht am 1. Februar wieder begonnen hatte, mußte wegen abermaliger Erkrankung des Lehrers die Schule wieder vom 3. bis 13. Februar geschlossen werden.

Am 23. März war in Straupitz der Ostermarkt, mithin ein schulfreier Tag; desgleichen am 30. März, am Tage nach der Osterprüfung war auch kein Unterricht. Die Entlassung der 12 Confirmanden, darunter 4 Knaben und 8 Mädchen erfolgte am Tage vor Palmarum, am 9. April. Die Zahl der Schulversäumnisse betrug: wegen Krankheit der Schüler waren Versäumnisse ...... vom Lehrer entschuldigt waren: ..... Die Zahl der ohne Erlaubnis versäumten Tage waren: .....

Die Osterferien begannen am 11. April und dauerten bis zum 21. April. Neu aufgenommen wurden nach Ostern sechs Kinder; 1 Knabe und 5 Mädchen. Das Winterhalbjahr endete am 30. April, und begann somit am 2. Mai das Sommerhalbjahr. Am 14. Mai verzog ein Knabe nach Sycadel. Der Pfingstmarkt in Straupitz war am 25. Mai und dieser Tag frei. Die Pfingstferien dauerten vom 4. bis zum 9. Juni. Die Sommerferien dauerten 2½ Woche, vom 11. bis zum 27. Juli.

Im Juni verstarb der Lehrer Winzer in Mochow. In der somit verwaisten Schule mußten darum die Lehrer der Parochie vertreten, deshalb war vom 2., 6. und 18. August, wo ich in Mochow zu unterrichten hatte, hier in Laasow kein Unterricht.

Am 18. August wurde die vereinigte Ober- und Mittelstufe der hiesigen Schule von dem Königlichen Kreis-Schulinspektor Herrn Pastor Wex aus Neu Zauche revidiert. Vom hiesigen Schulvorstande war nur der Gemeindevorsteher Grasme dabei anwesend. Die Revision begann morgens um 8 Uhr mit Gesang und Gebet und dauerte bis 11¼ Uhr. Die Prüfung in der Religion begann mit der Biblischen Geschichte. Es wurde als Aufgabe gestellt: „Die große Sünderin“. Die Geschichte wurde zuerst von den Kindern erzählt und dann behandelt. Schon nach einigen Fragen des Lehrers griff der Revisor ein und behandelte die Geschichte selbst. Dann mußten die Kinder auch die Geschichte „Vom Kranken am Teich Bethesda“ erzählen und der Lehrer dieselbe behandeln. Aus dem Katechismus wurde der Wortlaut einiger Gebote, Artikel und einiger Bitten geprüft; auch Verse von Kinderliedern, die der Herr Revisor bestimmte, aufgesagt. Nachher wurden auch noch einige Tischgebete von den Kindern gebetet.

Hierauf folgte die Prüfung im Rechnen. Zuerst wurden Dezimalbrüche gelesen, geschrieben, erweitert, gleichnamig gemacht, addiert und subtrahiert, dann folgte Addition und Multiplication größerer Zahlen. (15 + 15; 15 x 15), auch Regeldetri mit Brüchen besonders mit der ersten Abteilung. Nach dieser Prüfung wurden Volkslieder gesungen. 1. Der Mai ist gekommen. 3 Stim. 2. Ich stand auf Berges Halde (3 Stimmig) 3. Geh aus, mein Herz und 4. Treue Liebe bis zum Grabe. (2 Stim.)

Nun wurde im Deutschen geprüft. Das Gedicht „Sommergesang“ (Musterstück) wurde zuerst von den oberen Kindern gelesen und nachher unter Leitung des Lehrers der Inhalt der einzelnen Strophen angegeben; hernach wurde von Herrn Revisor nach Hauptwörtern und Geschlechtswörtern gefragt und dieselben gebogen. Aus Sätzen mußten die Kinder die Zahl und den Fall der Hauptwörter angeben. Zuletzt wurde vom Herrn Revisor ein Satz dictiert und von den Kindern aufgeschrieben, die Tafeln vom Herrn Revisor auch nachgesehen.

In der Georgaphie wurden einige Fragen vom Königreich Preußen und Kaiserreich Deutschland gestellt. Die Provinzen genannt, Ostpreußen besprochen und einige Flüsse gezeigt, der Lauf der Oder, Elbe und Spree. In der Geschichte wurde zunächst nach unseren Kaiser, dessen Vater, Großvater und Großmutter gefragt; auch Fragen aus dem durchgenommenen Pensum der deutschen Geschichte wie auch aus Luthers Geschichte gestellt. Nun folgte das Singen einiger Choräle im Chor, auch einzeln und bankweis. Dann wurde mit Gebet und Gesang geschlossen.

Die Herbstferien dauerten vom 19. September bis 11. October, also 3 volle Wochen. Wegen Krankheit und Todesfall in der Familie des Lehrers war vom 14. bis 20. October kein Unterricht. Am 27. October war in Lübben die Kreis-Lehrerkonferenz und dieser Tag demnach unterrichtsfrei. Den 18. November war wieder eine Lehrer-Conferenz in Neuzauche und wurde der Unterricht an diesem Tage ausgesetzt. Am 1. December war wegen der Viehzählung und am 7. wegen des Marktes in Straupitz kein Unterricht. Die Weihnachtsferien dauerten vom 13. December bis zum 3. Januar.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Februar 2011 um 14:42 Uhr