Spreewaldheide.de

Die private Internetseite für die Dörfer Butzen, Laasow, Sacrow & Waldow.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Spreewaldheide Archiv Das Jahr 1890

Das Jahr 1890

Schulchronik Laasow

Im Frühjahr d. J. wurde die Vorderseite des Schulhofes und auch des Schulgartens mit einem neuen Zaun umgeben, weil der alte Zaun sehr schadhaft geworden war.


Kurze Zeit nach dem Anfange des neuen Jahres erkrankte der Lehrer an der Influenza und mußte deshalb der Unterricht vom 18. bis zum 25. Januar ausgesetzt werden.

Die Osterprüfung wurde in diesem Jahre von dem Lokalschulinspektor Pastor Penschke aus Straupitz am 17. März abgehalten. Zu dieser Prüfung war diesmal auch der Herr Patron der hiesigen Schule, der Herr Graf von Houwald aus Straupitz erschienen. Von den Mitgliedern der Gemeinde waren der Schulvorsteher Meehs und der Kirchenälteste Kopsch anwesend.

Die Prüfung begann mit der I. Abteilung um 9 Uhr und dauerte bis 11 Uhr vormittags. Gesungen wurden die 3 ersten Verse des Liedes: Herr Jesu Christ dich zu uns wend! Und nachher die liturgische Andacht gehalten. Als Aufgabe in der Religion hatte der Herr Revisor die Geschichte „von David und Goliath“ - und „ich glaube an die heilige, (allgemeine) christliche Kirche“ - gewählt. Die Geschichte wurde zuerst von den Kindern erzählt und dann besprochen. Nachher erfolgte die Behandlung der Aufgabe aus dem Katechismus.

Aus der Geschichte wurde als Aufgabe „Die schlesischen Kriege“ gestellt, welche mit den Kindern durchgenommen wurden. Im Kopfrechnen löste die I. Abteilung eine Aufgabe aus der Zinsrechnung und die Ⅱ. Abteilung eine einfache Regeldetri „Aufgaben mit Brüchen“. Bei der Ⅲ. und Ⅳ. Abteilung wurde nur nach dem Resultat gefragt. Nach der Prüfung im Rechnen wurde das Musikstück Seite 62 No. 82 „Vom Wolfe und Lämmlein“ mit den Kindern behandelt. Von den geübten Chorälen wurden gesungen: Ach bleib mit deiner Gnade – Ach bleib mit deiner Treue. - Ein Lämmlein geht. - Wollt ihr wissen. Zum Schluß wurde noch das Lied: „Wer sind die vor.“ von den Kindern und dem Lehrer 3stimmig gesungen. Hierauf wurde die Prüfung mit Gebet und Gesang beschlossen und die Kinder entlassen.

Um 11 ½ Uhr begann die Prüfung der Ⅱ. Abteilung und dauerte bis 1 Uhr. In der Religion wurde die bibl. Geschichte: „Von der Hochzeit zu Kana“ mit den Kindern besprochen und im Anschluß zu der Geschichte der 2. Artikel und nachher noch einige von den gelernten Gebeten von den Kindern gebetet. Im Rechnen wurde nur die Ⅱ. Abteilung (Kleinen), im Lesen jedoch alle drei Abteilungen geprüft. Aus der Zahl der geübten Choräle mußten die Kinder: „O Haupt voll Blut und Wunden“ zusammen und nachher auch einzeln gesungen. Nach dem Gesange wurde mit Gebet geschlossen. Am Tage nach der Prüfung (18. März) wurde der Unterricht ausgesetzt.

Am 25. Januar verstarb zu Straupitz der Kantor und 1. Lehrer Friedrich Klinkott. Nach seinem Tode wurde nun von den Lehrern der Parochie in der verwaisten Schule unterrichtet. Demnach mußte der Unterricht in der hiesigen Schule am 10. 13. u. 27. Februar, am 6. 13. 20. u. 27. März ausgesetzt werden. Auch am 20. Februar war wegen der Reichstagswahl kein Unterricht, ebenso am 12. März (Jahrmarkt – Straupitz). Die Entlassung der 11 Konfirmanden geschah den 29. März, dem Tage vor Palmarum. Es waren 9 Mädchen und 2 Knaben. Außerdem wurde noch 1 Knabe von 11 Jahren, der nach Lübben (Realschule) verzog, am 29. März entlassen.

Am 8. Mai wurde in der hiesigen Schule unter Leitung des Lokal – Schulinspektors Herrn Pastor Penschke eine Parochialkonferenz abgehalten. Der Lehrer der Schule hielt mit den Kindern der Ober- und Mittelstufe eine Katechese über das Thema: „Wie betet man erhörlich“. Der 2. Lehrer Lehmann aus Straupitz besprach dann mit den Kindern das Gedicht: „Kinderlied von den grünen Sommervögeln“.

Pfingstferien waren vom 8. bis 12. Juni. Die Ernteferien dauerten vom 4. bis 17. Juli. Am 15. Mai (Bußtag) 30. Mai (Himmelfahrt) 29. Mai (Jahrmarkt) und am 5. Juni (Konferenz) war kein Unterricht. Die Herbstferien dauerten vom 21. Sep. bis zum 14. October. Das Winterhalbjahr nahm seinen Anfang am 1. November.

Am 18. December wurde die I. Abteilung der hiesigen einklassigen Schule von dem Königlichen Kreisschulinspektor Herrn Gen.-Superintendent Schulz aus Lübben revidiert. Bei dieser Revision war auch der Lokalschulinspektor Herr Pastor Penschke aus Straupitz und der Schulvorsteher Meehs von hier anwesend. Die Revision begann um 10 Uhr vormitt. Es wurden zu Anfang derselben die 2 ersten Verse des Liedes: „Wie soll ich dich empfangen.“ gesungen und dann die üblich Morgenandacht gehalten. Der Herr Revisor stellte als Aufgabe in der Religion: „Passah und Auszug“. Die Geschichte wurde zuerst von den Kindern erzählt und nachher zum Teil besprochen.

Nun wurde von dem Herrn Revisor in der Bibelkunde geprüft. (Einteilung der Bibel in Bücher.) Nachher wurde von den Kindern das Lesestück „Die Seidenraupe“ gelesen. Nach dem Lesen wurde im Rechnen geprüft. Die I. Abteilung löste eine Aufgabe aus der zusammengesetzten Regeldetri im Kopfe. Die Ⅱ. Abteilung zählte gemeine, ungleichnamige Brüche im Kopfe zusammen. Die Ⅲ. Abteilung löste ihre Aufgabe aus der Multiplikation mehrsortiger ben. ganzer Zahlen an der Wandtafel. Die Ⅳ. Abteilung rechnete ihre Aufgabe „Division einer 6-stelligen Zahl (Divisor 2-stellig)“ auf der Tafel. Auf Wunsch des Herrn Revisors wurde noch das „Einmaleins“ und Multiplication mit großen Zahlen im Kopfe geprüft. In der Geschichte prüfte der Herr Revisor selbst. Er stellte Fragen aus der Reformationsgeschichte und dem 30-jährigen Kriege. Hierbei wurden auch Reformationslieder und Adventslieder von den Kindern gebetet. In der Geographie prüfte der Herr Revisor besonders „das Land Kanaan“, auch fragte er nach Städten in den Provinzen an der Donau, Lauf der Elbe etc. Städte daran und die Spree.

Gesungen wurden die Choräle: „Befiehl Du Deine Wege.“ und „Nun ruhen alle Wälder.“ Von den zweistimmig geübten Liedern sangen die Kinder: „Herbei, o ihr Gläubigen und laß mich gehen.“ Mit dem Gebet „Vater unser, der du bist im H.“ und dem Gesange „Ordne unseren Gang.“ wurde die Revision nach 11 ½ Uhr geschlossen.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December bis zum 3. Januar. Die Osterferien dauerten vom 2. bis zum 9. April. Neu aufgenommen wurden am 10. April 11 Kinder, es waren 3 Knaben und 8 Mädchen. Der Schluß des Winterhalbjahres erfolgte am 29. (30. Bußtag) April. Die Zahl der in diesem Schuljahr versäumten Tage betrug 947 ½ Tag. Davon kommen auf Krankheit der Kinder 613 ½, und vom Lehrer entschuldigt 334 Tage. Das Sommerhalbjahr begann am 1. Mai. Die Zahl der Schüler beträgt am Anfange des Jahres: 74. Am 21. Mai, an welchem Tage der Jahrmarkt in Straupitz abgehalten wurde, war kein Unterricht. Die Pfingstferien dauerten vom 24. bis zum 28. Mai. Ernteferien waren vom 14. bis 26. Juli.

In diesen Ferien mußte die Decke des Schulzimmers, die im Laufe der Zeit an einigen Stellen sehr schadhaft geworden war, gründlich ausgebessert werden. Das Anputzen derselben und Streichen des Schulzimmers konnte aber erst später, am 19. u. 20. August ausgeführt werden, weshalb der Unterricht an diesen Tagen mit Erlaubnis des Herrn – Lokalschulinspektor ausgesetzt wurde.

Am 13. August wurde in der 1. Klasse zu Neuzauche eine Conferenz abgehalten, deshalb war dieser Tag für die hiesige Schule unterrichtsfrei. Wegen plötzlicher und gefährlicher Erkrankung meiner Frau mußte auch am 3. September, nachdem die Religionsstunde abgehalten war, der weitere Unterricht ausgesetzt werden. Herbstferien waren 3 Wochen; vom 22. September bis zum 11. October. Das Winterhalbjahr begann am 1. November. Am 10. December war Markt in Straupitz, mithin dies auch ein schulfreier Tag. Die Weihnachtsferien begannen am 24. December und endeten am 3. Januar.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Februar 2011 um 14:34 Uhr