Spreewaldheide.de

Die private Internetseite für die Dörfer Butzen, Laasow, Sacrow & Waldow.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Start Spreewaldheide Kurioses Ein alter Osterbrauch

Ein alter Osterbrauch

Bräuche fördern den Zusammenhalt der Bewohner. In ihnen spiegeln sich die Gemeinsamkeiten in Form von Ritualen wieder, die den sozialen Zusammenhalt in den Dorfgemeinschaften fördern sollen. Manchmal vermischen sich Bräuche und Aberglaube und werden damit zu einer Sage.

 

Wenn man von Neu Zauche nach Laasow geht, und den hier wirklich als Wall erkennbaren Grenzwall überschritten hat, kommt man in das Tal des Ressener Fließes. Jetzt zeigt es frisch grünende Wiesen. Früher vor der Regulierung des Fließes, war es ein Sumpfgebiet, und der an der Neu Zaucher Grenze aufsteigende Wall war mit wildem Strauchwerke besetzt. Die über das Fließ führende Brücke war wahrscheinlich größer und breiter, als die jetzige. Auf einer alten Karte ist sie als "Alte Brücke" bezeichnet. Eins aber ist heute noch dem früheren Zustande etwas ähnlich: Das gelbliche Wasser des Fließes ist eisenhaltig und war es früher wohl noch mehr als jetzt. Diesem Wasser wurde in früheren Zeiten eine heilende Wirkung zugeschrieben . Besonders in der Osternacht und am Ostermorgen, wenn die Ostersonne ihre drei Freudensprünge macht, tat sich diese Heilkraft in gesteigertem Maße kund.

Das war weithin bekannt, und so kamen denn am Abend vor Ostern viel mit allerlei Krankheiten und Leiden behaftete Leute zu dieser alten Brücke. Sie kamen zu Wagen und zu Fuß. Die einen hinkten am Stocke die anderen gingen tief zur Erde gebückt, weil sie nicht imstande waren, sich aufzurichten. Sie entkleideten sich und tauchten in das heilsame Wasser hinein, oder wuschen sich doch damit. Die alten Kleider aber legten sie nicht wieder an.

Die hängten sie auf die Sträucher des Walles. Dort mussten sie bleiben, bis Wind, Regen und Sonnenschein ihre Zerstörungsarbeit daran vollendet hatten und einen Fetzen nach dem anderen davon flog. Neue Kleider zogen die bis dahin Kranken an. Der alte kranke Mensch sollte ja dort im Tale bleiben . Sie waren neue gesunde Menschen geworden. Ob die Fahrt nach jener alten Brücke sich wirklich lohnte? Wer will das entscheiden? Fast möchte man es bejahen; denn, wenn wirklich niemand geheilt worden wäre, würde der Zustrom sich doch bald vermindert haben. Vielleicht stammte jener Brauch noch aus heidnischer Zeit. Sollte etwa dort in Busch und Sumpf eine heidnische Osterstätte gewesen sein? Niemand weiß mehr davon. Niemand achtet auf das so still dahin fließende Wasser. Nur die Sage berichtet von alter Zeit.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 11. August 2011 um 19:17 Uhr