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Start Spreewaldheide Kurioses Das Boaden und der Schreck

Das Boaden und der Schreck

... ist eine kleine Geschichte in Mundart geschrieben. Vielleicht hat sich diese Anekdote ja wirklich so vor vielen Jahrzehnten in Sacrow zugetragen. Erfahren werden es die Leser wohl nie, denn der Autor ist nicht bekannt. Aber das macht die Geschichte nicht weniger interessant, denn so eine Situation hätte sich woanders auch abgespielt haben können.

Die Muhme utte den ganzen Tag an Waschfaß estann und erubbelt. Nu woar es Nachmittag und die Wäsche hing uff Leine. Ziechen*, Hemden, Hosen, Scherzen, Strimpe und wer wees, was sich noch alles va Zeich uff Leine schaukelte. Die Muhme sieht uff die Leine und freit sich. Sone scheene weiße Wäsche und son blauer Himmel, ich muss doch wohl een ganz guden Mann oaben. Die Muhme utte den ganzen Tag an Waschfaß estann, das gibt miede Beene und Schweeß. Die Muhme überleht und denkt, nu kinde ich ma gleich boaden. In das scheene Sefenwasser kann ich ma scheen abspielen. In die neue Boadeanstalt tut man als Frau doch nicht und meestens hat man goar nich Zeit. Und denn sin die Urlauber immer do und faulenzen. Nee, ich wär in Waschfaß kubbein*. Ewaschen wird in Sommer in Scheine. Warum das viele Waser soweit schleppen, von Born* nach Kiche und denn noch in Scheine. Doa is doch am besten, mann stellt das Waschfaß uff den kleen Woagen und zieht es vull Wasser nach Scheine. Der Karudel werd schont stille stehen, uff die pucklige Tenne. Ich packe einfach poar Klätzer oder Steene vor de Räder. So gehts durch Muhme ihren Kopp. Die Kinder woaren furt und der Mann is nach Gras efahren. Schnell noch moal um esehen. Scheintor zu emacht, soooo ... .

Die Scheine stand aber bissel uff Berg. Von Scheintor aus geht die Grusche* och noch so schräge runder. 30 Schritt bis uff Weg, ganz scheenes Stickchen und immer an die Haiser lang. Und die Muhme sich nu so derbe plänschen tut und sich so freit, steht der Woagen goar nich mehr stille. Mein Gott - Leite - der foahrt ja! Raus aus Faß kann die Muhme nu nich mehr. Die Deicksel at schon Scheintor uffestoßen und der Woagen woar schon uff Weg und ganz scheen in Gange. Moal tut die Muhme raus mit ihren Kopp aus Faß, moal wieder rein in Faß. Gerode wie der kleene Deibel uff Joahrmarkt. Denn bleibt der Karudel stehn, gerode vor een Haus. Was macht die Muhme nu, tut se nu raus aus Faß? Nee, se schreit und das woar gerode verkehrt. Kinder kom elofen, kleene Jungens, Mächens und stellen sich um den Woagen rum. Doa kommt eene alte Großmutter aus een Haus und sieht die Kinder um den Woagen stehn. Großmutter war neuschierig und geht an den Woagen und soat: "Jesus Christus, Pauline das bist du ja! Wie is das blos zuegangen, was is bloß los uff de Welt? Woate ich wär ne Scherze riba decken." Dann soat se zu den kleenen Fritzchen: "Loofe doch schnell moal bei Lehmanns, do soll gleich moal eener kommen." Was soll ich soan, frot Fritzchen? Loofe bloß! Der Vatter woar gerode mit Gras ekommen und utte gerode die Bracke abeackt. "Vatter, ihr sollt gleich moal bei die Schäfersch Großmutter komm." Schwerlentz, was will die, Junge? Er will am froahn, der Junge is schon sticke furt, lacht un schreit laut, "Vatter, eire Muhme is nackendich!". Denn Vatter ruckten die Ogen weit aus Kopp raus. Die Beene woarn am wie anewachsen. Denn stiebt er ab. Den Berg runder, immer den Jungen noach. Von weitem sieht er schon Kinder, Woagen, Waschfaß und die Seine. Als er ran kam, soat die Großmutter zu am: "Alde die Scherze riber, ich wer Mantel holen." Der Vatter steht wie son kleener Junge und hält die Scherze iber Faß. Die Großmutter kommt mit den Mantel und die Muhme schiebt sich wie uffezogen in den Mantel, springt aus dem Faß und stiebt ab Heeme zu. Die Kinder immer hinterher, wie Schwoarm Stoahre hinter Hoabicht. Der Vatter kippt das Faß um, packt den Karudel und zieht am Heeme. Die Kinder von Heeme, die groellt er an, daß se man so stieben. Denn is der Vatter vor Ärger in Stube vaschwunn. Die Muhme hat sich nu nich mehr am Tage durch Dorf etraut, weil die Leite immer hoabn so hehnisch elacht. Bloß in Schloaf schreit die Muhme manchmoal greilich uff, weil se immer davon treemt. Wie der Vatter das letzte Moal is uffeweckt, hat die Muhme etreestet und lustig elacht und erufen: "Aber Pauline, ebott wird nich mehr!".

Ziechen = Bettzeug, Bezüge, Laken usw.

kubbein = abwaschen

Born = Brunnen

Grusche = Gras

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 19. April 2011 um 18:44 Uhr