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Die Waldower Mühle

von W. Mak, Lehrer in Waldow

„halbe Spinte!“ – Das eintönige Surren der Spinnräder verstummt. Die Mädchen lassen die Hände in den Schoß fallen und schauen mit ihren lachenden Augen in den von Wärme geröteten Gesichtern hinüber nach den Burschen, die es sich auf der langen Mauerbank bequem gemacht haben.

historische waldower muehle „Sagt, Vetter,“ beginnt ein Bursche, zu dem Alten gewendet, der auf der Ofenbank sitzend gemütlich seine Pfeife raucht, „was für eine Bewandtnis hat es mit eurem alten Lederstuhl, den die Würmer so stark zermürbt haben? Ihr seid so stolz darauf.“ „Mein Junge,“ beginnt mit gelassenen Worten lächelnd der Alte, „warum ich den alten Stuhl so in Ehren halte, will ich euch ausdeuten. Der hat schon mehr erlebt als ihr und ich. Ihr wißt vom alten Jachan aus der Schule, daß Waldow früher sächsisch war. Da kam der Siebenjährige Krieg, wo der alte Fritz auch mit Sachsen im Kriege lag. Nach der Schlacht bei Kunersdorf, die für den sieggewohnten König eine bittere Enttäuschung bedeute, kam er mit seinem Heere auch in unsere Gegend. Am Lübbener Wege, der von Luckau über Lübben, Waldow nach Frankfurt führt und eine alte Heeresstraße, auf der sogar auch Friedrich Rotbart gezogen sein soll, ißt, hatten die Waldower Schanzen gebaut. Sie wollten von den Preußen nichts wissen und den Preußenkönig durchaus nicht ins Dorf hineinlassen. Die Schanzen haben wenig genutzt. Ob sich die Bauern überhaupt dahinter verteidigt haben, hat mein Vater nicht erzählt. Aber etwas anderes ist ihm passiert.“ Kräftiger zog der Alte an seiner Pfeife und sah schmunzelnd in die Gesichter seiner mit Spannung lauschenden Zuhörer. –

„Wie ihr wißt, war mein Vater Besitzer von der alten Mühle, die vor Jahren abgebrannt ist. Eines Abends saß er auch gemütlich in seiner Stube und gedachte wahrscheinlich der guten alten Zeit. Auf einmal hörte er auf der Brücke Pferdegetrappel und Männerstimmen. Plötzlich dröhnten harte Schläge an seiner Haustür. „Verdammt, das bedeutet doch wieder Einquartierung.“ brummte er zornig, „ich lasse heute niemanden herein.“ Erneut fielen Kolbenschläge mit solcher Kraft, daß die Tür zu zerbrechen drohte. Dazwischen hörte er laute Flüche. Schnell machte er wieder Licht und beeilte sich, zu öffnen. Eine Laterne wurde ihm so dicht vor die Augen gehalten, daß er, geblendet, nichts erkennen konnte und eine Stimme herrschte ihn an: „Wo ist der Besitzer!“ Wütend antwortete mein Vater auf dieselbe Art: „Ich bin hier der Wirt!“ – „Schafft mir den Kerl aus den Augen. Merke er sich, wenn ich hier bin, bin ich der Wirt!“ – Den Sprecher konnte er nicht sehen; denn schon packten kräftige Fäußte zu, und ehe er sich versah, saß mein Vater im dunklen Keller. –

In seiner Stube saß der alte Fritz. Vater durfte seine Einquartierung nicht vor Augen kommen, aber Mutter hat den hohen Gast gesehen und auch durch das Schlüsselloch belauscht. Das mußte er wohl bemerkt haben, und als Mutter wieder einmal neugierig war, fand sich das Schlüsselloch verklebt.

Die Zeit der Einquartierung verging, und mein Vater wurde aus seinem Gefängnis befreit. „Der alte Fritz hatte ein Andenken zurückgelassen – den alten Lehnstuhl.“

Langsam setzen sich die Räder in Bewegung und summen Geschichten aus alter Zeit. Die jungen Genossinnen lauschen vergnügt und schwatzen weiter. – Spinnstubenzauber!

Quelle: Mak, Walter: Die Waldower Mühle, in: Lübbener Kreiskalender 1919, S. 64

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. September 2011 um 19:38 Uhr