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Das Jahr 1929

Schulchronik Laasow

Der Winter zeigte sich streng. Das alte Sprichwort: „Wenn die Tage langen, kommt der Winter auch gegangen“ bewahrheitet sich recht. Anfang Februar (4.) hatten wir wohl den kältesten Tag des Winters mit -33°. Das war eine Kälte! In der Schule erkrankten viele Kinder. Die Stube war aber immer schön warm. Es ging uns nicht so wie manchen Schulen, die wegen Mangel an Holz oder Kohle schließen mußten. Draußen hatte die Natur ein sonderbares Gesicht. Die Gänseweide war bis auf den Grund gefroren. Nach einer kurzen Linderung sammelte sich das Wasser unterhalb der Gänseweide mit der sogenannten Gritzke. Das gab eine schöne Eisbahn. Der Abfluß unter dem Weg zur Landesstraße war zugefroren und das Wasser stieg bis zum Überlaufen. Das Fließ war stellenweise fast ausgefroren. Als dann bei Faber, K. Bochan und K. Kieper die Scheunen niederbrannten, war die Bekämpfung des Feuers recht schwierig. Die Brunnen zugefroren. Im Fließ mußte man erst mit Äxten Wasser suchen. Dann konnte die Straupitzer Motorspritze in Tätigkeit treten.

Die Kälte suchte und fand auch unter den Menschen Opfer. Die Alten konnten die Kälte nicht ertragen. An einem Tage wurden die Auszüglerin Volkhammer und Groschke zur letzten Ruhe gebracht. Aber das Erdreich war auf dem Kirchhof so fest gefroren, das einige Laasower mit Äxten und Picken erst eine Gruft herstellen mußten. Man konnte am Begräbnistage selbst die Gestorbenen nicht in die Erde bringen.

Ein freundlicher Frühling löste den ungemein harten Winter ab. Seit Menschen gedenken hat es diesen Winter nicht gegeben. Der Winter 1888 soll auch kalt und schneereich gewesen sein, aber in den Temperaturen konnte er sich mit dem letzteren wohl nicht vergleichen. Es scheint ein Unstern über diesem Jahre zu walten. Hatte der Tod im Winter schon reiche Ernte gehalten, so wollte auch der Frühling sein Opfer haben. Der Kaufmann Kluge hatte vom Halbbauern Meehs Bauholz zum Aufbau seines Stallgebäudes gekauft. Beim Fällen des Holzes rollte ihm ein starker Stamm gegen den Leib und warf ihn nieder. Keinen Laut gab er mehr von sich. Sohn und Schwiegersohn, die Zeugen des Unfalls waren, brachten ihn auf einen Wagen nach Hause. Das war am 12. April 1929. Drei Tage später gab ihm die Gemeinde das letzte Geleit. Hier konnte man wirklich sagen: „Die ganze Gemeinde“. Ein Begräbnis mit solch starker Beteiligung hatte die Gemeinde lange nicht gehabt.

Im Herbst riß noch einmal der Tod einen Vater aus dem schaffenden Leben unvermutet fort. Der Anbauer Paul Faber erlitt durch eine Wagendeichsel eine Quetschung, das Krankenhaus konnte keine Heilung bringen und im Dezember trug der Kriegerverein auch diesen Kameraden zum Friedhof.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 25. Februar 2011 um 14:39 Uhr