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Das Jahr 1926

Schulchronik Laasow

Das Jahr 1926 brachte im Februar wieder ein großes Feuer. Fastnacht war gewesen. Am Mittwoch Abend, dem Abend nach der Männerfastnacht, an dem alles bei Zeiten sich zur Ruhe legen wollte, brach bei dem Halbbauern Grasme in der Scheune und einem großen Holz- und Wagenschuppen um 9 Uhr etwa Feuer aus. Im Nu brannte die Scheune lichterloh und gab eine mächtige Hitze. Ich brauchte gar nicht aus dem Hause gehen. Vom Schlafstubenfenster aus konnte man dem Wüten des Feuers zusehen. Sogar die Fensterscheiben wurden warm. Meine Antenne, die am Scheunengiebel einen Stützpunkt hatte, wurde ebenfalls ein Opfer des Feuers. Das hinter der Scheune stehende Gebäude des G. Pintsch (Stall mit Scheune) wurde von dem Feuer ebenfalls in Brand gesetzt und in Asche gelegt. Desgleichen das niedrige Wohnhaus. Nach dem Brande scheint hier auf dem Grundstück des Knopf und Pintsch eine Veränderung einzutreten. Pintsch soll die Absicht haben, daß Grundstück des Plowa (abgebrannt) zu erwerben. Knopf bekäme dann einen geschlosseneren Hofraum, da er dann nicht mehr die Einfahrt für Pintsch freizuhalten brauche. Im Sommer des Vorjahres hat schon zwischen Knopf und der Witwe Bottow ein Austausch stattgefunden, so daß Knopf an der Dorfstraße bauen konnte. Diesmal kam es wirklich so, wie man gemunkelt hatte. Der Anb. Pintsch hat das Grundstück von Plowa gekauft. Plowa wird an der Chaussee nach Straupitz auf einem ihm schon gehörendem Acker ein neues Gehöft erbauen, während Pintsch sich auf dem bisherigen Plowaschen Grundstück aufbauen wird.

Am 20. April 1926 brach abends nach 10 Uhr bei dem Büdner Peschke im Stall Feuer aus. An dem Stall war nicht viel dran! Dennoch gab es ein mächtiges Feuer. Das Vieh war in der Scheune untergebracht worden, da ein Maurer an dem Tage Reparaturarbeiten an dem Stall ausgeführt hatte. Der Besitzer war in der Nacht nicht anwesend, da er mit seinen Pferden zum Markt in Vetschau war. Am anderen Morgen standen noch die Mauern zum größten Teil. Aber nach und nach fielen sie um. Wenige Tage nach diesem Brande gab es schon wieder ein Feuer. Wieder ganz in der Nähe des Schulhauses. Am 1. Mai entstand bei dem Anbauer Schneider Feuer, das schnell auf die Scheune des Kaufmanns Zöllner übergriff. Die Dreschmaschine wurde gerettet. Sonst aber verbrannte alles , was in der Scheune war. Über die Entstehungsursache erfuhr man nichts bestimmtes. Jedenfalls dauerte die Untersuchung sehr lange und das Ende vom Liede? Der Anbauer Schneider erhielt keine Versicherungssumme.

Die Heuernte ging in diesem Jahr verloren, da der Spreewald Hochwasser in solchem Maße hatte, wie es seit Jahrzehnten nicht vorgekommen war. Wer seine Wiesen im Spreewald hatte, erntete absolut nichts. Die Not war groß und mancher war gezwungen, in den Dörfern am Schwielochsee oder bei Lieberose Heu zu kaufen. Ein böser Ausgleich für die Rekordernte für Roggen, die man im Herbst 1925 gemacht hatte. Hatte bisher das Feuer nur alte, zum Teil recht baufällige Stallungen, Scheunen oder Wohnhäuser als Opfer gefunden, so fiel am ersten Pfingstfeiertage ein noch gutes Gebäude, Stall mit Scheune, des Stammgutsbesitzers Kanter dem verheerendem Element zum Opfer. Während eines kurzen, gar nicht all zu heftigen Gewitters, schlug der Blitz in dem massiven Giebel der Scheune, riß ihn auf, und zündete im Stroh. Im Nu quollen dicke schwarze Rauchwolken aus dem Dach. Der Regen floß in Strömen. Mit Not und Mühe gelang es, ein an die Scheune stehendes Ställchen zu halten. Bei den Löscharbeiten wurde manch einer bis auf die Haut naß. Und auch das Schuhzeug mußte daran glauben; denn der Hof stand unter Wasser. Das Vieh wurde in Sicherheit gebracht.

Der Herbst hatte wieder Hochwasser, so daß auch die Grummeternte nicht eingebracht werden konnte. Mehrmals erhielten die vom Wasser Geschädigten Unterstützungsgelder. Aber nicht alle waren mit deren Verteilung zufrieden.

Im Laufe des Sommers entstanden auf den Brandstätten neue Häuser und Stallungen. Plowa baute an der Chaussee ein ganz neues Gehöft auf. Desgleichen G. Pintsch, auf dem ehemaligen Plowaschen Grundstück. Der Halbbauer Grasme baute ein Stallgebäude mit Futterküche und Backofen, ebenso der Halbbauer Kieper. Auf den Grundstücken von Peschke, Zöllner, Schneider und Kanter entstand ebenfalls neues Leben aus den Ruinen. Wahrlich genug ist in diesem Jahr gebaut worden. Maurer und Zimmerleute hatten reichlich Beschäftigung. Nicht zu vergessen das Schulhaus, wo aber der Maler den Löwenanteil hatte. Das große Zimmer, die Küche, Schlafstube, Flur und Dachstube erhielten ein neues Gewand.

Eins will ich hier nachtragen. Die weltumspannende Erfindung des Radios kam verhältnismäßig früh nach Laasow. Am 18. Oktober 1925 konnte ich meine schlichte Detektoranlage in Betrieb nehmen. Viele Röhrenbesitzer lachten die Zigarrenkiste aus. Aber ich blieb nicht allein. Beim Förster und Gastwirt konnte ich bald danach auch anlegen. Und heute ist mancher „Röhrenbesitzer“ ein Anhänger des Detektorempfanges geworden.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 25. Februar 2011 um 14:01 Uhr