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Das Jahr 1919

Schulchronik Laasow

Das Jahr 1919 brach an, von Vielen begrüßt als das Jahr des Friedens und der Hoffnung. Am 19. Januar fanden die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt. Wie vorauszusehen war, kam die Herrschaft der Rechten zu Fall. Etwas später kamen dann die Wahlen zur Preußischen Landesversammlung. Am 2. und 3. Februar feierten wir zu Ehren der heimgekehrten Krieger ein Wiedersehensfest. Bis auf einen, den Sohn Karl des Anbauers Karl Faber, der noch in der Ukraine weilt, sind alle Laasower zurückgekehrt. Dann feierte die Gemeinde seit 1914 das erste Mal Fastnacht, für alle, groß und klein, alt und jung ein Fest der Freude.

1919 scheint das Jahr der Wahlen zu werden. Kreistag und Gemeindevertretung wurden neu gewählt. Die Wahl der Gemeindevertretung brachte viel Streit in der Gemeinde. Man hatte versucht, eine Einheitsliste aufzustellen, indessen wurde von den Bauern noch eine eigene Liste aufgestellt, obgleich auch sie schon Vertreter in der ersten Liste hatten. Die beiden Wahlvorschläge waren Zech und Meeß. Die Wahl fiel so aus, daß vom Wahlvorschlag Zech 6, vom Wahlvorschlag Meeß 3 gewählt waren: Hier die Namen der Gewählten:

1. Gottfried Zech, Kossät 2. Paul Lubas, Häusler 3. Max Schulze, Gast- wirt 4. Karl Grasmel, Halbbauer 5. Georg Haak, Lehrer 6. Gottfried Kluge, Anbauer 7. Friedrich Mees, Bauer 8. Karl Bochan, Halbbauer 9. Paul Meeß, Tischler

Als Gerichtsleute wurden neue Männer nicht gewählt, die alten wurden wiedergewählt: Christian Grasme und Paul Kopsch.

Im Frühjahr wurde der Chausseebau in Angriff genommen. Zeit wurde es; denn die Steine lagen schon 3 Jahre am Weg nach Straupitz. Im Juni war der Bau beendet, und im Juli fand die Abnahme durch den Kreisbaumeister und die Gemeindevertretung statt. Am 28. September fand die Wahl des neuen Gemeindevorstehers, der schon erwähnten Gerichtsleute und eines stellvertretenden Gerichtsmannes statt. Zum Gemeindevorsteher wurde der Kossät Gottfried Zech gewählt, den der Kreistag hoffentlich bald bestätigen wird. Denn es wird Zeit, daß die Gemeinde einen neuen Mann als Leiter erhält, sonst kommen wir immer weiter runter und eines schönen Tages schläft die ganze Gemeinde sanft ein. Die Schule leidet darunter am meisten.

Ein tüchtiger Wirt kauft sein Holz im Sommer ein. Aber die Schule ist ja nicht von solcher Bedeutung, daß die Männer, die gewählt sind, für das Wohl der Schule zu sorgen, sich um ihre Bedürfnisse kümmern. Das dennoch im Sommer ein neuer Ofen im vorderen Wohnzimmer, der vorhandene im hinteren kleinen Zimmer gesetzt, dieses Zimmer tapeziert und die Küche seit 10 Jahren vielleicht gestrichen wurden, habe ich meinen dauernden Hin- und Herlaufen von einem Handwerker zum anderen zu verdanken.

Im November fiel der Unterricht 7 Tage aus,weil kein Holz vorhanden war. Im September hatte ich beantragt, Röhren für den eisernen Ofen zu besorgen. Obgleich noch 3 Wochen Ferien waren, wurde es nicht gemacht, so daß von Mitte Oktober bis Anfang November der große Kachelofen geheizt werden mußte. Die Folge war, daß das wenige Holz in einigen Wochen verbraucht war. Anstatt nun gleich für den Winter genügend Holz zu besorgen, wurde 1 m gekauft. Das Holz reichte einige Zeit, aber auch in diesen 3 Wochen kümmerte sich der Gemeindevorsteher nicht um den weiteren Holzbedarf der Schule. Am 8. Dezember mußte der Unterricht wieder auf 9 Tage ausfallen. Dann wurden 2 m gekauft. Wie lange werden die reichen? So hat unter der Pflichtvergessenheit des Gemeindevorstehers der Schulbetrieb gelitten. Nun aber erst die Schulkasse! Im Sommer konnten wir für 120 M – das kosten die 3 m Holz- Brennholzstangen, für 3-4 Jahre kaufen. Das ist ein Gemeindevorsteher, der noch zum Schaden der Gemeinde regiert, weil der Kreisausschuß unseren Neugewählten nicht bestätigt hat.

Am 19. Dezember 1919 fand die erste Elternversammlung über Besprechung der Wahl zum Elternbeirat statt. - So schlossen wir das Jahr 1919. Hier sei es angebracht, da alle noch lebenden Kriegsteilnehmer zurückgekehrt sind – einer aus englischer Gefangenschaft – die Namen derer aufzuführen, die in dem gewaltigsten aller Kriege für Reich und Vaterland gefallen sind:

1. Paul Haschzig

Lombartzyde

gef. am 7.2. 15

2. Paul Meehs

Trawnicki

gef. am 23.7. 15

3. Paul Kieper

Fort Vaux

gef. am 25.8. 18

4. Gustav Nattke

Verdun

gef. am 25.8. 18

 

Sie fielen im Glauben an Deutschlands Sieg nicht ahnend seiner Schmach!

 

Seit September 1916 ist Karl Faber, Sohn des Häuslers Gottfried Faber vermißt.

 

Das Eiserne Kreuz, 2. Klasse erhielten folgende Kriegsteilnehmer:

Friedrich Bochan

Karl Faber

Paul Groger

Oskar Grunert

Georg Haak

Karl Kieper

Karl Klauck

Paul Klauck

Heinrich Klauck

Christian Knopf

Paul Schötz

Max Schulze

Karl Volkhammer

Paul Zuchold

 

Die Zinsen der verschiedenen Kriegsanleihen werden im Januar und Juli oder April und Oktober den Kindern ausgezahlt. Im Sommer wurden durch die Kinder im Spreewald bei Straupitz (Byttna und am Neuzaucher Grenzkanal) Brennessel geschnitten und auf dem Platz an der Kirche in Straupitz getrocknet. Zur Sammlung von Brennesseln gab es vom 8. bis 17. August 1918 Ferien. Während dieser Zeit wurden an dem Wege nach Straupitz vornehmlich Pappelblätter gesammelt und getrocknet. Der Erlös aus der Brennessel- und Laubheusammlung diente zur Vergrößerung der Schulbücherei. Vom 9. September – 18. Oktober besuchte der Schüler Paul Niedrich aus Charlottenburg die hiesige Schule. Er weilte bei dem Halbbauer zur Erholung.

Eine Osterprüfung fand in diesem Jahre nicht statt. Im Februar und März war nur an 3 Tagen der Woche Unterricht, da ich die Vertretung der durch den Tod des Kollegen Faber (19.1. 19) verwaisten Schule in Butzen übernommen hatte. Ostern wurden aus der Schule 2 Knaben und 4 Mädchen entlassen. Neu aufgenommen wurde ein Knabe und 2 Mädchen, so daß am Beginn des Schuljahres 1919/20 19 Knaben und 24 Mädchen die Schule besuchten. Die Gesamtzahl (43) verringerte sich durch den Abgang des Schülers Karl Schneider nach Marienfelde.

Quelle: Schulchronik der Gemeinde Laasow 1797 – 1951,

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 03. April 2011 um 18:25 Uhr